Listen to Anna.


Von Jochen Overbeck, Redakteur Musikexpress

Bei Familie Känzig dominierte eine Art von Instrument den Haushalt: Der Vater besass gleich eine ganze Reihe an Synthesizern. Trotzdem wählte Anna Känzig zunächst einen anderen Weg, lernte als Kind Gitarre, später Bass und Klavier. Zwei Platten nahm sie auf, eine wandte sich dem Jazz zu, die andere bestand aus Folksongs. Sie trat auf dem legendären Montreux Jazz Festival auf, unterrichtete als Gesangslehrerin.

SOUND AND FURY ist für sie ein Neuanfang – und trotzdem ein Schritt zurück zu ihren Wurzeln. Die Synthies der Kindheit sind auf Anna Känzigs neuer Platte die Konstante. Beim Songwriting wagte sie hingegen eine neue Herangehensweise. Wo sie früher alleine schrieb, suchte sie diesmal die Kooperation: Alle Songs entstanden gemeinsam mit dem Produzenten Georg Schlunegger. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Die elf Songs auf SOUND AND FURY sind eingängig, aber überraschungsreich, manchmal sanft streichelnd und manchmal wild – und stecken bei aller Elektronik stets voll Soul.


SOUND AND FURY - TRACK BY TRACK

GET OUT

«Are you ready? Are you ready to be free?»: Wenn Anna Känzig in GET OUT zum Donner der Trommeln davon singt, wie sie die alten Brücken niederbrennt, um neue Wege zu gehen, dann mischt sie klassische Motive des Gospels – er begegnet uns auch im weiteren Verlauf des Albums, aber eher als Idee – mit kontemporären Breitbandsounds. Das Ergebnis: Ein feierlicher Song, der sich genaueren Verortungen verweigert, der Elektro, Soul und Pop gleichermassen antriggert, voller Überraschungen ist und von seinem starken Refrain lebt.

DRIVE ALL NIGHT

Die nächtliche Autofahrt ist ein klassisches Motiv im Pop, nachzuhören bei Roy Orbison und seinem ähnlich betitelten «I Drove All Night». Doch wo sein Song eher von Zweifeln lebt, vielleicht sogar als Flucht zu sehen ist, scheint die Ausgangslage bei Känzig eine andere zu sein. «I drive all night just to get home to you» singt sie – und lässt dabei musikalisch tatsächlich Gedanken an eine nächtliche Autofahrt aufkommen. Ein Synthie, cool wie schwarzes Leder. TripHop-Beats, aus denen man die Lichter der Autobahntunnels zu hören meint, eine Gitarre, die mit viel Hall durch die Nacht weht wie die Scheinwerfer des Gegenverkehrs: Das Autoradio, über das Känzig hier singt, wäre wie gemacht für den Song.

WE MIGHT AS WELL BE DREAMING

Vermutlich das Schwierigste der Welt: eine Ballade zu schreiben, die es schafft, die ganz grossen Gefühle zu formulieren, ohne dabei zu sehr in die Kitschfalle zu treten. Dass Anna Känzig das kann, zeigt dieser Song auf eindrucksvolle Art und Weise. Vielleicht liegt es daran, dass sie vom Jazz kommt – sie machte ihren Bachelor an der Zürcher Hochschule der Künste. Vielleicht hat sie auch einfach ein gutes Händchen für die perfekte Melodie. Auf jeden Fall umgeht sie mit WE MIGHT AS WELL BE DREAMING alle Klischees des Genres: Die flächigen Synthies, die den Song einläuten, sind nicht die Dominante, sondern lediglich ein immer wieder auftauchendes Motiv des ebenso vielschichtig wie zeitlos inszenierten Dreampops.

SUBURBAN SKY

So sehr wir uns die Grossstadt herbeiwünschen, das Leben passiert meistens woanders. Der Vorstadt, auf Englisch Suburbia, haben in den letzten Jahrzehnten zahllose Künstler ein Denkmal gesetzt – von Ray Charles über Everything But The Girl bis hin zu den Pet Shop Boys und Arcade Fire. Anna Känzig fügt diesem Kanon eine neue Nummer hinzu. Ihr SUBURBAN SKY ist Projektionsfläche für Träume und Sehnsüchte, vor allem aber wunderbar abgedunkelter Midtemo-Pop für laue Frühsommernächte.

BONNIE & CLYDE

Knapp zwei Minuten dauert es, bis dieser Song plötzlich kippt. Wir hören Gitarrenpicking und eine Anna Känzig, die zart, aber nachdrücklich um die Erlösung fleht. Ein cleverer inszenatorischer Kniff, der dem ohnehin starken Popsong zusätzliche Dramatik verleiht. Mit dem Titel befindet sich die 31- jährige Schweizerin übrigens in bester Gesellschaft: Schon Jay-Z und Beyoncé, die Toten Hosen, Serge Gainsbourg und Tupac widmeten dem legendären Gangsterpaar aus dem amerikanischen Süden Songs.

WHEN A TEARDROP HITS THE GROUND

Tränen sind leise? Von wegen, dieser Song beweist das Gegenteil. Percussion-Beats treffen auf massige Elektro-Patterns. Mächtige «Woah-Woah»-Chöre auf Synthies. Eine Nummer, die ohne allzu viele Worte auskommt, weil sie sofort konkrete Bilder heraufbeschwört: Man denkt an eine Träne in Nahaufnahme, an den Moment, in dem sie in Zeitlupe auf den nächtlichen Asphaltboden prallt. Anna Känzigs Vater ist Fotograf. Vielleicht hat sie von ihm das Talent geerbt, Bilder so präzise einzufangen.

REBEL HEART

«I remember the way you were standing there with your back against the pinball machine.» Die Geschichte, die Anna Känzig in diesem Song erzählt, ist eine, die wir eigentlich aus dem Country und Rock’n’Roll kennen. Die des Rebells, des Lonesome Cowboys, des Jeans-und-Stiefel-Typen, der nicht allzuviel sagt, aber trotzdem bleibenden Eindruck hinterlässt. Känzig übersetzt die Geschichte in ihre ganz eigene Klangsprache, spielt dabei aber mit klassischen Songwriting-Motiven, bricht euphorischen Elektropop mit Akustik-Passagen auf.

HOUSE OF CARDS

Jeder kennt den Moment, in dem ein Kartenhaus einstürzt. Genauer: Jeder weiss, dass er kommen wird, unausweichlicher Teil des Spieles ist. Anna Känzig bastelt aus dieser Erkenntnis einen aussergewöhnlichen Popsong, vielleicht den melancholischsten auf ihrem Album. Während die Gitarre mit viel Twang ihre traurige Melodie spielt, die Beats sahnig aus dem Sequencer tropfen und schliesslich eine Mandoline weltschmerzend zupft, erzählt sie vom Zusammenbruch, von dem Moment, an dem Ass und Pik und Herz und Karo auf dem Boden liegen. Das Gute: Beim Bauen eines Kartenhauses kann man immer wieder von vorne anfangen.

LIGHTS GO OUT

Wenn man am Anfang von LIGHTS GO OUT genau hinhört, meint man die Wildnis zu hören. Ist das ein Synthie, oder sind das Papageien? Hören wir im Hintergrund zirpende Grillen und das Rauschen der Bäume. «I leave no shadow, no trace behind» singt Anna Känzig zu kräftigen Beats und erzählt von dem Moment, in dem sich die Stadt schlafen legt. Es geht also eher um den Grossstadtdschungel. Der kann ja auch ganz schön wild sein.

YOUNG AT HEART

«I am with you. I’ll go with you»: Wo der Titel zunächst eine oberflächliche Hymne an die eigene Jugendlichkeit vermuten lässt, überrascht Anna Känzig. Ihr YOUNG AT HEART ist ein wunderbar optimistischer Popsong, dessen Botschaft eine ist, die sowohl in Sachen Liebe als auch bei guten Freundschaften greift: Ich bin für dich da. Du kannst dich auf mich verlassen. Ein Muntermacher, der im klassischen Känzig-Sound daherkommt: Akustische Instrumente treffen auf smarten, aber durchaus verspielten Elektropop und ergeben so einen Sound, der gleichzeitig nach der Gegenwart und völlig zeitlos klingt.

STATE TROOPER

Am Ende des Albums ist Anna Känzig wieder unterwegs – und zwar gemeinsam mit einem der berühmtesten Sänger der USA. Im Bruce-Springsteen-Cover STATE TROOPER erzählt sie von der Begegnung mit einem Autobahnpolizisten auf dem New Jersey Turnpike, einer der wichtigsten Autobahnverbindungen im Nordosten der USA. Der Song nimmt auf dem Album eine Sonderstellung ein, nicht nur, weil es sich um eine Coverversion handelt, sondern auch musikalisch: Zwar ist er eingängig, zwar transportiert er wie die übrigen Lieder eine Geschichte. Mit seinem kühlen Synthies und dem Schwerpunkt auf Bass und Beat findet er aber näher an der Tanzfläche statt als die anderen Stücke. Anna Känzig, das wird hier endgültig bewiesen, ist nicht auf ein Genre festzunageln.


Meet Anna.


Anna hat blaue Augen. Früher hätte man gesagt: 'klar wie ein Bergsee'. Heute vielleicht eher: 'die sind doch bearbeitet'. Sind sie aber nicht.

Aber weisch was? Sie kann dich damit bearbeiten.
Oh boy. And how she can.



Obendrüber sind Haare. Viele Haare, lang, dunkelblond, meist irgendwie im Gesicht und von da mit Hand und Pusten oder Haargümmeli am vertrieben werden. Je nach Gemütszustand sind sie frisch gewaschen und im Fahrtwind vom Velo flatternd und leuchtend. Oder sie gruppieren sich zu zutzeligen Strähnen. Vielleicht weil die Nacht kurz war oder Anna wiedermal unverhofft eine Pause einlegen und sich an einem Gebüsch oder dergleichen anlehnen musste.

Viele Dinge kann Anna sehr gut. Dazu gehören unter anderem: singen, komponieren, die subtile Mehrdeutigkeit, helfen, Gitarre, verzaubern, Ping Pong und der verlegene Augenaufschlag. Pause machen gehört hingegen nicht in diese Liste. Denn Pausen zieht Anna eigentlich immer erst – und auch dann nur unfreiwillig – in Betracht, wenn sie bereits in der spitzwinkligen Smooth Criminal Lage mit dem Gesicht nur noch Zentimeter vom Boden entfernt ist.

Anna hat aber keine Anti-Gravitationsschuhe wie Michael Jackson. Drum besser immer ein Snickers im Turnbeutel. Apropos Schuhe: In die ansonsten beneidenswert kurze Liste des Nichtsogutkönnens gehört bei Anna auch: auf hohen Schuhen gehen, ohne dass es qualvoll aussieht.

Someone please give that girl some decent sneakers.

Pausen werden bei Anna übrigens immer dann dringend nötig, wenn sie etwas vergisst. Mit Arbeiten aufzuhören. Oder zu essen. Dabei liebt sie es. Beides, aber vor allem Essen: süsser Kram vom Beck. Teig. Schoggi. Aber auch Fisch und frisch und fein, alles auf einem Blech mit Chrüütli und am besten von Muttern nonchalant in den Ofen gepfeffert. 'Familienznacht' ist drum wohl auch der meistgehörte Grund, wenn Anna dir absagt. Schwester, Vater, Mutter und allerlei Gestrandete versammeln sich dann am grossen Tisch, und es wird gegessen und diskutiert.

Und dennoch: Manchmal vergisst Anna es eben trotzdem. Genau so wenig wie das Essen das persönlich nimmt, solltest du es persönlich nehmen, wenn sie dich vergisst. Denn sie vergisst dabei nicht dich (oder das Essen) grundsätzlich, sondern einfach, dass ihr existiert. Und dies sogar draussen im Leben, mitten in einem Gespräch. Da sitzt man dann und redet miteinander, und plötzlich wird's ganz still (und das Essen kalt).

Grillen zirpen. In der Ferne ein Zug. Blätter rauschen. Uhren ticken und irgendwo in der Mojave Wüste zieht derweil pfeifend ein Cowboy vorbei und mit ihm vermutlich auch die Antwort, die du dir erhofftest. Derweil Anna da sitzt und schweigt und vielleicht Töne und Wörter aneinanderreiht, aus denen später Lieder werden, die du bald tagelang summst.

Bis einem der Fuss einschläft und man sie vorsichtig antippt und retourholt zu den Irdischen. Wenn das nicht der Pneu macht, der sich in der Tramschiene verheddert und sie kopfvoran aufs Trottoir segeln lässt. Oder jemand, der im Vorbeigehen ruft: 'hey Anna!'. Dann dreht sie sich nämlich um und lächelt, bevor sie überhaupt weiss, wer die andere Person ist. Denn viele Leute rufen gern 'hey Anna!', da gewöhnt man sich das wohl an. Und Anna ist eine freundliche Person. Lässt niemanden gern ungegrüsst. Dann guckt sie und spricht. Und da sind sie dann wieder, die Augen, der Aufschlag, A-N-N-A, das Unergründliche. Und man versucht zu erahnen, was da ist, hinter all dem Blau, was da wohl alles rattert und denkt.

Aber lass dir gesagt sein: You will never know.

Dinge, die man hingegen sehr wohl über Anna wissen kann, sind folgende:

– Sie wurde 1984 als Tochter einer vielseitig begabten Mutter und eines Fotografen in ein musikalisches Umfeld geboren, mitten in eine laute und kreative Familie, zu der jeder auch gehören möchte, wenn er sie einmal kennengelernt hat, ausser man ist:

  • a) ein Bünzli
  • b) ein Chauvi

oder eine Kombination davon.

– Mit 14 war Anna Bassistin einer lokalen Nirvana Coverband.



Aber nur solange, bis die schiefen Töne des Frontsängers ihre Geduld überstrapaziert hatten und sie die Sache selbst in die Hand nahm. Anstelle des Basses hing sie sich bald eine Gitarre um, aus der Coverband wurde eine eigene, aus bestehendem Liedgut wurden selbst komponierte Songs.

– Etwa fünf Minuten war Anna auch mal Studentin der Universität Zürich. Dann aber doch sehr schnell ein paar Strassen weiter an der Jazzschule eingeschrieben, wo sie fünf Jahre lang blieb und ihren Abschluss machte. Damit unterrichtet sie als Gesangslehrerin und Vocal Coach, womit sie hauptsächlich ihren Lebensunterhalt finanziert.

– Bald nach ihrem Studium folgte ihr erstes Album Four Acres and No Horse. Eine kleine Hommage an die Jazzschulzeit. Komplexe rhythmische Spielereien und jazzige Chords dominierten Annas Erstling.

2013 trieben sie ihre Wurzeln dann in folkigere Gefilde. Hallo Bonnie Raitt, hallo Banjo, hallo Slideshow Seasons!



Oh, Melancholie und Sehnsucht. Bitte, so nehmt doch Platz.

Getourt wurde mit Slideshow Seasons durch die ganze Schweiz, (gesungen und) getanzt auf mehreren Hochzeiten; mal alleine, mal im Duo oder mit der ganzen folkigen Entourage. Wenn du persönliche Konzerte im intimen Rahmen magst, ist dir Anna deshalb sicherlich schon einmal begegnet und du weisst, was dich live erwartet: eine Stimme, die verzaubert und zwischen den Songs immer ein charmantes Quäntchen Schülervortrag-Nervosität, die einem von der Bühne entgegenweht, auch nach dem hundertsten Konzert.

Ihr aktuelles Album SOUND & FURY (vö: Februar 2016) präsentiert Anna von einer bisher nicht gezeigten Seite. Das Lampenfieber ist zwar noch da, die Musik nach wie vor verträumt und einnehmend, aber die Instrumentalisierung reduzierter und elektronischer. Da ist weniger Klimbim und Rundherum, dafür mehr Bass, mehr Drive – und viel mehr Anna als je zuvor. Unaufgeregt und authentisch, wie sie es selbst auch ist, führt Anna ohne jegliche Anstrengung durch ihr drittes Album.

Geschrieben und produziert wurde SOUND AND FURY einen ganzen heissen Sommer lang: draussen wummernde 35 Grad, unten im Kellerstudio dunkel, kühl und die zwei rauchenden Köpfe von Produzent Georg Schlunegger und Anna Känzig. Gemischt wurde das fertige Album dann in Schweden von Lars Norgren, der spätestens seit seiner Arbeit für die Popmusikerin Tove Lo international bekannt ist.

Wer noch mehr wissen möchte als all dies, dem bleibt nur noch zuhören.


Talk to Anna.


Dein neues Album heisst SOUND AND FURY. Warum?
«Sound and Fury» ist ein bekannter Roman von William Faulkner. In der deutschen Übersetzung heisst er «Schall und Wahn». Natürlich ist bei aller Musik und Kunst – und in meinem Leben sowieso – immer auch ein bisschen Wahn dabei. Die Übersetzung von SOUND AND FURY, die zu meinem Album passt, ist aber «Schall und Rauch».

Inwiefern beschreibt «Schall und Rauch» dein Album?
Schall und Rauch sind flüchtige Erscheinungen, man kann sie nicht festhalten oder greifen. In letzter Zeit werde ich vermehrt mit der Frage konfrontiert, warum ich nicht mehr dieselbe Musik mache wie früher, wie anders mein Musikerleben ist mit einem grossen Label als Partner und so weiter. In diesem Zusammenhang denke ich oft an diese Redewendung. Ich finde, Musik ist immer eine Frage der eigenen Entwicklung und des Zeitgeists; für mich ist es nur normal, dass ich heute eine andere Musik mache als vor fünf oder vor zehn Jahren. Wir mochten früher doch auch alle etwas anderes als wir heute und morgen hören? Meine erste Platte war eher jazzig, die zweite eher folkig, und jetzt klingt es eben wieder ein bisschen anders. Meine Songs sind nichts anderes als Momentaufnahmen. Mein Leben verändert sich wie jedes andere auch. Und mit der Anspielung auf den Ausdruck «Schall und Rauch» oder eben SOUND AND FURY wollte ich diesem ganzen Thema vielleicht auch ein bisschen die vermeintliche Wichtigkeit nehmen. Es geht um die Musik, ums Hier und Jetzt. Die Lieder auf dieser Platte sind das, was du heute von mir hören kannst, und ich hoffe, es gefällt dir – und morgen ist wieder ein neuer Tag.

Hast du Angst, dass deine alten Fans dich nicht wiedererkennen?
Nein, gar nicht. Meine Stimme ist ja immer noch dieselbe, meine Texte handeln nach wie vor von Liebe, Sehnsucht und allerlei besingenswerten Momenten. Nur die Instrumentalisierung ist reduzierter und elektronischer. Eigentlich hört man mich fast besser als auf den früheren Alben. Und wenn es nicht gefällt, nehme ich das in Kauf. Man muss nicht immer allen gefallen. Aber ich denke, die «Fänzigs» werden offen genug sein, SOUND AND FURY eine echte Chance zu geben, und ich freu mich natürlich enorm, mit den Songs bald live aufzutreten.

Trotz deines oft beschriebenen Lampenfiebers?
Ja, trotzdem. Ich denke, das Lampenfieber gehört einfach mit dazu. Es ist eine gewisse Unsicherheit, die aber auch dafür sorgt, dass ich jedes Mal wieder alles geben möchte. Sich Unsicherheiten zu stellen, ist sicherlich die beste Medizin.

Bist du auch bei Interviews nervös?
Es ist immer seltsam, wenn jemand, den du nicht kennst, dir persönliche Fragen stellt und Dinge aus deinem Privatleben wissen möchte. Aber je älter ich werde, umso wohler fühle ich mich in meiner Haut und umso leichter fällt es mir, selbstbewusst zu entscheiden, worüber ich sprechen möchte und worüber eben nicht.

Worüber möchtest du denn nicht sprechen?
Haha.

Und worüber schon?
Mm. Zum Beispiel über Träume? Oder über Musik, Serien, Reisen, Bücher, Ängste, Kreativität, Fotografie, Philosophie und Internet? Also eigentlich über alles, was den Besuch eines Kamerateams in meinen eigenen vier Wänden und das Wühlen in meiner Privatsphäre ausschliesst. Ich brauche einen gewissen Raum nur für mich, den ich mit niemandem teilen muss, physisch und auch in meinem Kopf. Einen Ort, wo ich denken, tun und lassen kann, was ich will, ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Ansonsten fühle ich mich in meiner Freiheit eingeschränkt. Diesen Raum einzufordern ist ein Prozess, der mich immer begleitet und ich muss mich da auch selber ab und an wieder an der Nase nehmen und mich daran erinnern, wie wichtig es ist, darauf zu bestehen.

Gibt es einen Traum, den du für dich und deine Musik hast?
Natürlich! Ich würd gern über die Grenzen hinaus mit meiner Musik auftreten können. Wenn das zu Beginn auch nur eine einzige Grenze wäre und ich zum Beispiel am Melt! Festival auftreten könnte, wäre ich damit schon vollends zufrieden. Würde ich Grössenwahn grösser schreiben als Bescheidenheit, würde ich natürlich auch zu einem Feature mit Haim oder Disclosure nicht Nein sagen. Jetzt freue ich mich aber auch einfach erstmal auf alles, was kommt und bin so gespannt, auf welche Reise mich mein neues Album schickt!